Babylon Adobe, 2021

Wie konsistent gestaltet Adobe die Interfaces seiner Programme? Nicht so konsistent: Nicht mal so ein grundlegendes UI-Element wie der Speichern-Dialog sah 2017, als ich zuletzt geschaut habe, auf MacOS in allen Programmen gleich aus. Nicht zwei Dialoge waren in allen Eigenschaften gleich, was schon eine erstaunliche Leistung ist. Und nur einer hielt sich an die Systemvorgaben von MacOS.

Vier Jahre später: Die Apps liegen in neuen Versionen vor, und auch MacOS hat mit Big Sur das Interface stark umgestaltet. Was hat sich getan? Wir schauen uns eine etwas andere Auswahl von Programmen an, aber die Dickschiffe Photoshop, Illustrator und Indesign der CC-Suite sind wieder dabei – und ein interessanter Neuzugang kommt hinzu.

Seht selbst. Spoiler: Es wird nicht besser.

Ein paar Beobachtungen:

Keine App nutzt den Dialog, den Apple vorsieht und in seinen eigenen Apps verwendet.

Photoshop und Acrobat verwenden das Alert-Modal, das Apple mit Big Sur eingeführt hat. Immerhin, denn damit sehen Buttons wie Big Sur-Buttons aus und nicht wie fehlerhaft nachgemachte MacOS-Buttons. Der neue Apple-Dialog hat seine eigenen Probleme, aber die Apps würde Verbesserungen nach Systemupdates automatisch mitnehmen. Sonst alles fein? Natürlich nicht: Auch die beiden Dialoge von Photoshop und Acrobat machen nicht alles gleich. Erstaunlich, was sich alles unterscheidet: Großes App-Icon vs Warn-Icon mit Zusatz, Du vs Sie, Korrekte vs falsche Anführungszeichen, Zusatztext oder nicht.

Die Dialoge von Illustrator und Indesign haben sich gegenüber dem letzten Mal (das ist jetzt vier Jahre her) nicht geändert, außer, dass die Fenstertitel jetzt den gleichen Grauton haben, weil sie den vom System übernehmen. Die Buttons sind immer noch schlecht und verschieden selbstgemalt.

After Effects hat den Default-Button Blau gefärbt. Die Sekundär-Buttons sehen immer noch wie keine der übrigen aus. Einen Button umzufärben war wohl Änderung genug.

In Adobe XD gibt es gar keinen Speichern-Dialog mehr. Jedes Dokument wird ständig in der Cloud gespeichert, auch neue Dokumente. Einerseits gut: Daten können im Prinzip nicht mehr verlorengehen. Andererseits schade, denn XD hat noch 2017 als einzige App Apples Guidelines befolgt, bis hin zum »Sichern …«-Label des Default-Buttons.

Und dann gibt es noch Substance 3D, Adobes neuesten Zukauf. Wenn man sich dessen Dialogdesign anschaut, sehen alle anderen mit ihren Schwächen gar nicht mehr so schlimm aus. Die Buttons mit den Labels Ja, Nein, Abbrechen, und das Riesen-Fragezeichen-Icon – wow.

Sichern, HIG-Style

So sieht Apples Dialog aus, an den sich Adobe nicht hält. Man kann sich streiten, ob dieser Dialog zu komplex ist, weil er den nächsten Schritt schon einbindet – aber wenn Adobe diesen Dialog nähme, hatten sie immerhin kein Konsistenzproblem und keine häßlich nachgebauten Interfaceelemente.

Et tu, Microsoft?

Auf den ersten Blick gar nicht übel, aber auch Microsoft gleicht die Dialoge nicht an.

Es gibt ein Farbsystem und der grundsätzliche Dialog ist immerhin der gleiche, auch wenn mir komisch vorkommt, dass er kein einzelnes Fenster ist (das man für einen Screenshot einzeln auswählen könnte). Das ist bei Photoshop anders. Aber:

  • »Sichern …« (mit Leerzeichen) vs »Speichern« vs »Speichern…« (ohne Lesezeichen) auf dem Button,
  • »Möchtest du …« vs »Möchten Sie …« vs »Sollen Ihre Änderungen …« als Text,
  • Warn-Icon vs App-Icon, Zusatztext oder nicht.

Ich frage mich, welche gleichen Funktionen die Produktteams noch unabhängig voneinander implementieren.

Sind große Designsysteme unmöglich?

Wieso gehen bei so großen Hersteller solche Dinge durch? Ich nehme an, das passiert gerade weil sie so groß sind. Die Produktteams sind sicher riesig. Jedes Team baut sein Ding getrennt, und weil übergreifende Qualitätssicherung teuer ist, und der Text in Sichern-Dialogen nicht das kritischste Feature, lässt man es eben so. Außerdem müssen die Programme auf Windows und Mac (und auch noch iOS und iPadOS) laufen, die alle ihre eigenen Vorgaben mitbringen. Also baut man selbst ein Interface, damit wenigstens die eigenen Programme gleich aussehen. Das geht aber immer schief, wie man sehr deutlich sieht. Bei Adobe passiert das noch an vielen Stellen. Derselbe Befehl heißt in Photoshop »Farbfelder importieren …«, in Illustrator »Farbfeldbibliothek öffnen« und in InDesign »Farbfelder laden …«.

Trotzdem. Adobe, ihr seid das Sinnbild für Design (oder wollt es zumindest sein). Da erwarte ich mehr.

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