{"id":18,"date":"2007-08-04T23:48:30","date_gmt":"2007-08-04T22:48:30","guid":{"rendered":"http:\/\/goesselgold.de\/blog\/?p=18"},"modified":"2023-11-20T23:18:37","modified_gmt":"2023-11-20T22:18:37","slug":"pages-sollte-nicht-pages-heisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.goesselgold.de\/blog\/2007\/08\/pages-sollte-nicht-pages-heisen\/","title":{"rendered":"Pages sollte nicht Pages hei\u00dfen"},"content":{"rendered":"\n<p>Dieser Artikel entstand aus dem Frust, den ich zwangsl\u00e4ufig jedesmal bekomme, wenn ich mit Apples Textverarbeitungsprogramm Pages arbeite.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie kommt es, dass ich mit Keynote von Anfang an intuitiv zurechtgekommen bin, w\u00e4hrend ich Pages auch nach l\u00e4ngerem Benutzen widerspenstig finde, schwer zu verstehen und einfach hakelig zu bedienen? Die beiden Programme \u00e4hneln sich doch auf den ersten Blick sehr, viele Bedienungselemente sind in beiden vorhanden und sehen gleich aus \u2013 und man sollte doch annehmen, dass sich Apple bei beiden Programmen gleich viel M\u00fche gegeben hat, ihren \u00bblegendary ease of use\u00ab einzubauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo liegt der Unterschied?<\/p>\n\n\n\n<p>Beide Programme bieten eine gute Auswahl schicker Vorlagen, in beiden bearbeitet man das Dokument haupts\u00e4chlich \u00fcber sehr \u00e4hnlich aufgebaute Paletten. Beide zeigen auf der linken Seite die Tumbnails der Dokumentenseiten (\u00bbFolien\u00ab in Keynote). In Keynote lassen sich dort auch die Folienvorlagen ansehen, bearbeiten und zuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit der Seitenleiste organisiert man in Keynote die Inhalte seines Dokumentes. \u00bbSeiten\u00ab bzw. Folien sind die grundlegende Metapher daf\u00fcr, wie in Keynote Inhalte organisiert werden. Klar, verst\u00e4ndlich und intuitiv, denn grunds\u00e4tzlich machte man fr\u00fcher mit Dias oder Transparentfolien (wenn man damit pr\u00e4sentierte) genau das gleiche.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist denn das in Pages nicht auch so, immerhin heisst das Programm doch \u00bbSeiten\u00ab?<\/p>\n\n\n\n<p>Eben nicht, und da liegt zumindest mein Problem.<\/p>\n\n\n\n<p>Es f\u00e4ngt schon damit an, das es in Pages keine Seitenvorlagen gibt, die den Folienvorlagen in Keynote entsprechen. Man kann nicht das Layout einer vorhandenen Seite \u00e4ndern, indem man eine andere Vorlage auf sie zieht, wie z.B. in XPress. Ich habe in Pages \u00fcberhaupt noch keinen Weg gefunden, wie man vorhandenen Seiten eine andere Seitenvorlage zuweist.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Symbolleiste von Keynote steht ein Icon \u00bbVorlagen\u00ab, das eine Liste der Folienvorlagen zeigt. Damit wird der aktuellen Folie das Layout dieser Vorlage zugewiesen. An der entsprechenden Stelle in Pages hei\u00dft das Icon \u00bbSeiten\u00ab und man legt damit stattdessen neue Seiten mit den Inhalten der jeweiligen Seitenvorlage an.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann nicht, wie in Keynote oder in XPress, einfach eine Einzelseite an eine andere Stelle ziehen und damit die Reihenfolge der Seiten ver\u00e4ndern (man kann zwar etwas verschieben, aber das sind nicht Seiten, wie ich sie verstehe, dazu gleich mehr).<\/p>\n\n\n\n<p>Der zentrale Ort, an dem man Vorlagen f\u00fcr Seiten sehen und pflegen kann, ist im Vergleich zu Keynote oder Xpress ziemlich versteckt: Das Men\u00fc \u00bbFormat > Erweitert (hallo Microsoft!) > Seitenvorlagen verwalten\u00ab \u00f6ffnet ein \u00bbSheet\u00ab mit einer Textliste, in der man Seitenvorlagen l\u00f6schen und umbenennen kann. Neu anlegen kann man Vorlagen hier nicht, und schon gar nicht kann man sehen, wie sie aussehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im zentralen Dokumentenfenster kann man Vorlagen auch nicht anzeigen lassen, um z.B. deren grafische Elemente zu ver\u00e4ndern. Es werden immer konkrete, im Dokument vorhandene Seiten gezeigt, mit deren Inhalten. Isoliert kann man Seitenvorlagen nicht bearbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit allen diesen Punkten komme ich in Schwierigkeiten, sobald ich versuche, \u00fcber die Typografie hinaus ein Pages-Dokument zu layouten. Im Grunde genommen hat n\u00e4mlich in Pages nicht eine \u00bbSeite\u00ab ein Layout (also z.B. R\u00e4nder, Spalten, grafische Konstanten), sondern ein \u00bbTextabschnitt\u00ab. Und das ist der zentrale Unterschied, der mir oft so viel Kopfzerbrechen bereitet hat. Auch wenn Pages so viele sorgf\u00e4ltig gestaltete (Seiten-)Vorlagen mitbringt, ist es kein Seiten-Layoutprogramm.<\/p>\n\n\n\n<p>Es erweckt nur den Anschein.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo in Xpress eine Seite der Tr\u00e4ger von Textrahmen ist, durch die ein vorhandener Text hindurchflie\u00dft, besteht ein Pages-Dokument aus Abschnitten, die \u00fcber die Seiten flie\u00dfen. Die Abschnitte sind durch Trennzeichen im Text markiert (die werden \u00bbUmbr\u00fcche\u00ab genannt). Und diese Abschnitte haben ein Layout. Ein Abschnitt kann sich \u00fcber mehrere Seiten erstrecken. Eine Seitenvorlage beginnt und endet mit einem Abschnittwechsel, so dass man durchaus mehrere Seiten einf\u00fcgen kann, wenn man glaubt, \u00fcber das Icon-Men\u00fc \u00bbSeiten\u00ab f\u00fcge man analog zu Keynote jeweils eine Seite hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist der wesentliche Unterschied in der Metapher der Programme, und das gro\u00dfe Problem besteht meiner Meinung darin, dass Pages durch seinen Namen, seine Oberfl\u00e4che und seine \u00c4hnlichkeit zu Keynote eine unpassende Metapher erzeugt. N\u00e4mlich die, dass man damit \u00bbSeiten\u00ab bearbeitet, w\u00e4hrend es in Wirklichkeit Textstrukturen sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine falsche Metapher? Warum ist das so schlimm?<\/p>\n\n\n\n<p>Man vergisst wohl zu leicht, was f\u00fcr abstrakte Objekte Programme sind. Man vergisst es, weil sich Programme Vorbilder aus der wirklichen Welt nehmen und wir das Wissen \u00fcber diese Vorbilder auf das Programm selbst \u00fcbertragen. Das macht das Umgehen mit dem Computer sehr viel leichter. Das Mittel f\u00fcr diese \u00dcbertragung sind Metaphern.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir im Computer einen Ordner sehen, dann wissen wir, dass das ein Beh\u00e4lter f\u00fcr andere Sachen ist, n\u00e4mlich Dokumente. Man kann den Ordner \u00f6ffnen, man kann Dokumente aus einem Ordner in einen anderen legen, und noch andere Sachen mehr. Ein Malprogramm hat \u00bbPinsel\u00ab als Werkzeuge und wir wissen deswegen schon ungef\u00e4hr, was diese Werkzeuge grunds\u00e4tzlich tun (n\u00e4mlich irgendeine Spur auf der \u00bbMalfl\u00e4che\u00ab zu hinterlassen).<\/p>\n\n\n\n<p>In Wirklichkeit gibt es im Rechner keine\u00bbOrdner\u00ab, \u00bbPinsel\u00ab und \u00bbMalfl\u00e4chen\u00ab. Das sind Metaphern, die uns helfen, das Programm zu verstehen. Metaphern sind also hilfreich, aber sie haben auch Grenzen, n\u00e4mlich dort, wo das wirkliche Ding nicht mit seinem Gegenst\u00fcck im Programm \u00fcbereinstimmt.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Beispiel kann man sich Ebenen in Photoshop gut als transparente Folien vorstellen, die \u00fcbereinander gelegt das ganze Bild ergeben. Manche Stellen der Folien sind bemalt, andere sind durchsichtig \u2013 und durch die transparenten Stellen sieht man das, was auf den Folien darunter bemalt ist. So funktionieren Ebenen. Aber nur zum Teil.<\/p>\n\n\n\n<p>Welcher wirklichen Eigenschaft entsprechen zum Beispiel die \u00bbF\u00fcllmethoden\u00ab der Ebenen? Bei normalen Folien gibt es so etwas nicht. Hier hilft die Metapher nicht weiter, und wenn man sich zu sehr darauf versteift, dass Ebenen so etwas wie die Folien sind, dann wird man ihre Funktion und ihre M\u00e4chtigkeit nie ganz verstehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pages bedient sich der Metapher der \u00bbSeite\u00ab. Eine Seite hat in der wirklichen Welt bestimmte Eigenschaften, und \u2013 ob man will oder nicht \u2013 man \u00fcbertr\u00e4gt sein Wissen \u00fcber diese Eigenschaften auf das entsprechende abstrakte Objekt, das Pages \u00bbSeite\u00ab nennt.<\/p>\n\n\n\n<p>Noch etwas kommt hinzu: Auch in anderen Programmen gibt es \u00bbSeiten\u00ab mit bestimmten Eigenschaften. Und dieses Wissen \u00fcber die Eigenschaften beeinflusst dann die eigenen Vorstellungen davon, was \u00bbSeiten\u00ab in Pages sind und was man damit tun kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Zumindest meine Vorstellung von Seite ist, dass ich einer Seite ein bestimmtes Layout geben kann. Und in dieses Layout flie\u00dft dann der Text, dessen innere Struktur eine ganz andere Sache ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur: So geht es in Pages nicht. F\u00fcr das Layouten in Pages muss man verstehen, was \u00bbAbschnitte\u00ab und \u00bbUmbr\u00fcche\u00ab sind und was sie bewirken. Auch diese Begriffe sind wiederum Metaphern, und dummerweise deckt sich ihre Bedeutung in Pages nicht mit dem, was ich unter Abschnitt und Umbruch verstehe. Ich kann mein Wissen \u00fcber Umbr\u00fcche also nicht nutzen, und das macht es mir so schwer.<\/p>\n\n\n\n<p>Vielleicht haben es Nutzer leichter, die haupts\u00e4chlich Word kennen, denn in Word wird, genau wie in Pages, ein Abschnitt layoutet, nicht die Seite. Andererseits benutzt Word die Seitenmetapher nicht so explizit wie Pages. Das sieht man schon daran, dass man in Word in verschiedenen Ansichten arbeiten kann, und nur eine davon ist das \u00bbSeitenlayout\u00ab. Und in der Seitenleiste kann man nicht \u00bbSeiten\u00ab sehen, sondern eine \u00bbMiniaturansicht\u00ab des Dokumentes (voreingestellt ist dort auch \u00bbDokumentstruktur\u00ab).<\/p>\n\n\n\n<p>Ich will damit nicht sagen, dass ich mit Word besser layouten k\u00f6nnte als in Pages. Layouten in Word ist schlichtweg furchtbar. Aber immerhin weckt es nicht mit seinem Namen falsche Erwartungen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Update 9.8.07: <\/strong>Pages\u212208 ist herausgekommen und sieh an, was sie ge\u00e4ndert haben: Das Icon, unter dem man neue Abschnitte hinzuf\u00fcgt, hei\u00dft nicht mehr \u00bbSeiten\u00ab, sondern \u2013 \u00bbAbschnitte\u00ab. Na bitte.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ich auch gerade gesehen habe: Die Spaltenanzahl kann jetzt f\u00fcr Textbl\u00f6cke festgelegt werden, so dass Text von einem einspaltigen in einen zweispaltigen Block flie\u00dfen kann, ohne dass man dazu einen Layoutumbruch setzen muss. Es scheint also leichter zu werden, Pages als Layoutproramm zu nutzen. Andererseits lassen andere neue Funktionen Pages n\u00e4her an Word heranr\u00fccken (z.B. die \u00c4nderungsverfolgung). Das wird ein interessanter Spagat.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Artikel entstand aus dem Frust, den ich zwangsl\u00e4ufig jedesmal bekomme, wenn ich mit Apples Textverarbeitungsprogramm Pages arbeite. Wie kommt es, dass ich mit Keynote von Anfang an intuitiv zurechtgekommen bin, w\u00e4hrend ich Pages auch nach l\u00e4ngerem Benutzen widerspenstig finde, schwer zu verstehen und einfach hakelig zu bedienen? 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